WordPress 5.0 – Das tote Pferd namens Gutenberg Editor

Dieser Beitrag wurde aktualisiert und mit neuen Erkenntnissen versehen. Es verdeutlicht zudem die Aussichtslosigkeit wie die Entwickler versuchen ein totes Pferd zu reiten.

Seit dem 6 Dezember 2018 ist die neue WordPress Version 5.0 nun verfügbar. Die Nutzerbewertungen des Gutenberg Editors sprechen eine sehr deutliche Sprache, was Nutzbarkeit, Einfachheit und die generelle Bedienung des Editors betrifft. Ich teile diese Meinung, denn ich selbst habe den Editor über zwei Wochen lang getestet. Und ich war nicht wirklich begeistert, um das mal freundlich zu umschreiben.

IST-Situation

Bevor die neue WordPress Version 5.0 veröffentlicht wurde, hatten immerhin noch 600.000+ Benutzer den Editor auf Ihrer Webseite zum ausprobieren installiert. Dieser war da noch als eigenständiges Plugin gelistet und nicht Teil des WordPress Kerns.

Gutenberg Installationen und Bewertungen vom 23 August 2018.
Gutenberg Installationen und Bewertungen vom 23 August 2018.

Das nachfolgende Bild stammt vom 8 Dezember 2018 und zeigt sehr deutlich, dass selbst nachdem die Nutzer mit der WordPress 5.0 Version quasi dazu gezwungen wurden den neuen Editor mal auszuprobieren, wie schnell der Gutenberg Editor an Nutzern verloren hat. Es kann natürlich auch sein, dadurch das der Gutenberg Editor nun im Kern von WordPress verankert ist, dass dies nicht mit in die Wertung fließt. Das macht aber nichts, denn die Bewertungen prasseln trotzdem noch bei dem Plugin ein, was ja auch verständlich ist, da dies die einzige Möglichkeit darstellt, um den Entwicklern zu sagen, was sie von dem Editor halten.

Der in einem veröffentlichte alte Classic Editor hat allerdings schon deutlich mehr Nutzer, als der Gutenberg Editor zuvor. Und die breite Masse wird noch nicht auf WordPress 5.0 aktualisiert haben. In den nächsten Wochen wird sich das Ausmaß noch zeigen.

Gutenberg Installationen und Bewertungen vom 08 Dezember 2018.
Gutenberg Installationen und Bewertungen vom 08 Dezember 2018.

Update: Nach ein paar Monaten ist nun das Ausmaß der Ablehnung des Gutenberg Editors durch die Nutzer komplett und nun auch in Stein gemeißelt. Warum? Das begründe ich im weiteren Text.

Gutenberg Installationen und Bewertungen vom 9 Juni 2019.

Nun, die Entwickler von Gutenberg sehen das allerdings nach wie vor alles als halb so schlimm an, denn der Nutzer weiß ja wie immer nicht, was er will und es wäre ja nur die Angst vor Veränderungen, die die schlechten Reviews zu Tage tragen würden. So lautet der allgemeine Tenor der Entwickler.

Ich habe mir etliche Reviews der 1 Sterne Bewertungen durchgelesen. Manche drücken sich vielleicht etwas ungeschickt aus, weil Sie die englische Sprache nicht so gut beherrschen, ABER nichts desto trotz kritisieren alle im Grunde dasselbe. Und vor Kritiken sollte man nicht weglaufen oder die Augen verschließen. Die Reaktionen der Entwickler auf manche Reviews haben mir teilweise die Kinnlade auf den Tisch fallen lassen. Dazu später mehr!

Update:

An dieser Grundhaltung hat sich nichts geändert. Es scheint damit auch endgültig klar zu sein, dass diese Entwickler beratungsresistent sind. Das muss man leider so sagen. Im Nachfolgenden komme ich auch zu der Erklärung warum jede weitere Initiative des verzweifelten Versuchs die Nutzerschaft doch noch umzustimmen, sinnlos ist.

WordPress Nutzer insgesamt?

Ich habe leider keine Statistiken gefunden wie viele WordPress Nutzer es überhaupt gibt. Hierbei meine ich speziell die WordPress Installationen weltweit. Es gibt zwar die Angabe, das 59% aller Webseiten im Netz die ein CMS nutzen mittels WordPress erstellt sind, aber das sagt nichts darüber aus wie viele Installationen es überhaupt gibt, denn dafür müsste man den Gesamtwert oder den Prozentwert kennen. Und diese sind meist auch nur Schätzungen.

Wenn Sie beispielsweise mal hier nachschauen:

WordPress Statistiken

WordPress Versionen – Statistik vom 09.06.2019

Dann werden Sie anhand der im Umlauf genutzten Versionen erkennen können, das gerade mal 50% überhaupt eine Version ab 5.0 einsetzen. 50% der Nutzer kennen entweder noch gar nicht den neuen Editor oder haben sich bewusst gegen ein Update von 4.9 auf 5.0+ entschieden (Die 26,5% jedenfalls) oder es handelt sich schlicht um tote Seiten. Das weiß man halt nicht.

Wenn wir jetzt mittels der am meisten genutzten Plugins einen Rückschluss auf die tatsächlichen Webseiten schließen wollen würden, dann liegt dieser Bereich immer bei über rund 5+ Millionen Installationen. Ich denke so gut wie alle nutzen das Akismet Anti-Spam oder das Jetpack Plugin. Da dies Internationale Plugins sind, die auch den Support für Mehrsprachigkeit mitbringen sind diese Werte und Angaben durchaus ernst zu nehmen. Es handelt sich hier schließlich um alle Nutzer jeglicher Nationalitäten.

Beliebte Plugins und dessen Nutzerzahlen.

Die nächste Frage wäre aber dann, ob damit ausschließlich nur die aktuellste Version gezählt wird oder auch ältere WordPress Installationen mitzählen. Ich denke mal alle Versionen, da ansonsten bei einem neuen Release die Zähler wieder auf Null sinken müssten. Das passiert aber nie, da die Plugin Kurven immer konstant bleiben.

WordPress Classic Editor Wachstumsrate und dessen Erklärung vom 09.06.2019.

Natürlich gibt es dort immer Zacken, wenn neue Versionen veröffentlicht werden und dadurch ein deutlicher Anstieg der Downloadzahlen (Kurven) erkennbar ist, aber die allgemeine Wachstumsrate bleibt immer konstant oder sinkt leicht. Das ist auch verständlich, da immer weniger Leute das Plugin noch nicht haben, also sinkt das Wachstum zwangsläufig, da fast jeder Nutzer das Plugin bereits installiert hat. Logisch oder?

Worauf ich im Detail hinaus will ist, das 5+ Millionen bei den meisten Plugins die Obergrenze ist. Also gibt es schon mal mindestens 5+ Millionen WordPress Installation, die dieses Plugin einsetzen. Das kommt auch ca. hin, denn der Classic Editor läuft auf einer WordPress Version ab 4.9, wie sie den Plugindetails entnehmen können. Wenn wir diese 4.9 Nutzer dazu addieren aus der zuvor genannten WordPress Versionsstatistik, dann kommen wir auf Gute 75% aller Installationen. Die restlichen 25% sind also verwaiste oder tote Seiten mit WordPress Versionen älter als 4.9.

Dies im Hinterkopf behaltend, schauen wir uns jetzt nochmal das Vergleichsbild des Classic Editors und des Gutenberg Editors an. Es nutzen bereits 5+ Millionen Nutzer (Also das vermutliche Maximum der aktiven Seiten im Netz) den Classic Editor. Die restlichen paar Hunderttausend den Gutenberg Editor. Oder wenn wir gnädig sind runden wir es auf 1 Millionen hoch, da immer die Angabe von 5+ Millionen gegeben ist. Also irgendwas zwischen 5 und 6 Millionen.

Demnach nutzen 83,33% den Classic Editor und 16,67% den Gutenberg Editor. Alles nur grobe Schätzungen natürlich!

Was würden Sie nun mit Ihrem neu gewonnenen Wissen daraus schließen?

Das der Gutenberg Editor blendend bei den Leuten ankam? 😀 Sie werden sich fragen, warum ich das so deutlich hervorheben muss? Weil die Entwickler es genauso sehen.

Ich weiß natürlich das gerne Politik für Minderheiten betrieben wird, aber eindeutiger geht es wohl nicht mehr.

Ich habe mir im Detail die aktuellste Gutenberg Version nicht mehr angesehen. Anhand der nach wie vor schlechten neuen Bewertungen scheint das Kernproblem nicht verstanden zu werden bei den Entwicklern oder Teammitgliedern. Die Fragen an die Nutzer sind auch gleich geblieben, wenn ich mir die die Reaktionen der Entwickler ansehe.

An der Problematik, dass dieser Editor einfach nicht praktikabel ist, scheint wohl keiner dieser Entwickler zu verstehen oder verstehen zu wollen. Stattdessen wird wild mit Tastenkürzeln um sich geworfen und erklärt wie man den neuen Editor zu benutzen hat.

Bei den meisten Nutzern ist der Editor aber bereits unten durch. Wie wahrscheinlich wäre es also, dass die 5 Millionen Nutzer sich nochmal dazu aufraffen werden Ihr funktionierendes bekanntes System mit dem Classic Editor, gegen das des Gutenberg System einzutauschen nur des Versuchs wegen?

Ich würde sagen: “Vorher geht die Welt unter.”

Und genau das verstehen die Initiatoren hinter dem Plugin nicht. Der Ruf ist hin bei der Mehrheit der WordPress Community. Das ist Fakt. Man kann sich zwar an den paar tausend Nutzern bestätigt fühlen, dass man alles richtig macht, die Wahrheit ist jedoch hart, bitter und real.

Kritik (Da kann net jeder mit üm)

Benutzeroberfläche

Der Editor sieht auf den ersten Blick ganz nett und schick aus, ja, die Meinung teilen die meisten. Es stimmt auch, denn er wirkt frisch, neu, und hat was sympathisches an sich. Dafür gibt es einen Daumen nach oben.

Warum aber ausgerechnet die Breite des neuen Editors so schmal ausfällt, wissen wohl nur die Entwickler selbst. Ich meine, wer schreibt Artikel auf seinem Smartphone? Ja, natürlich werden das ein paar machen, aber sicher werden dort keine Romane verfasst. Ich behaupte einfach mal, die meisten werden wohl ganz klassisch am Desktop PC/Notebook sitzen mit Ihren FULLHD Monitoren und einer Auflösung von 1920x1080px. Und eigentlich sollte das Endgerät ja auch keine Rolle spielen, da die Größe auf jedem Gerät über die CSS-Dateien gesteuert wird. Warum ist also der Editor so verdammt schmal?

Zeitmanagement

Das hilft aber nicht über die Tatsache hinweg, dass es nun deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, dasselbe zu machen, wie vorher mit dem alten Editor. Ich rede hier auch nicht von der normalen Umstellung die Veränderungen nun mal so mit sich bringen, nein, sondern davon das selbst einfache Dinge wie einen individuellen Artikel zu gestalten fast unmöglich für den normalen Nutzer werden. Denn zum Schreiben kommen sie eigentlich gar nicht mehr.

Bedienbarkeit/Barrierefreiheit

Wenn Sie gewohnt waren Artikel komplett niederzuschreiben und diese anschließend zu formatieren, dann haben Sie ein echtes Problem, denn im Standardfall müssten Sie das in einem Block machen, damit das überhaupt funktioniert um nicht ständig unterbrochen werden. Die Arbeitsweise ist einfach zu verschieden. Sie müssten normalerweise für jeden Abschnitt/Thema/Überschrift einen Block erstellen. Für die Bilder gilt das Gleiche. Ihre kreativ dichterische Phase wird also ständig dadurch gebremst einen neuen Block zu erstellen oder sich mit dem Interface und dessen Bugs herumzuschlagen. Zudem beschwerten sich viele Nutzer darüber, dass die in beispielsweise “Microsoft Word” verfassten Artikel nicht fehlerfrei in den neuen Editor eingefügt werden können. Dies habe ich allerdings selbst nicht überprüft, da ich die Artikel live auf der Seite schreibe.

Selbst wenn ich jetzt mal darüber hinwegsehen würde, dass man alles suchen muss, weil alle Funktionen irgendwo anders versteckt wurden (Das wäre vielleicht ja nur eine Eingewöhnungssache), so komme ich persönlich schlicht zu dem Ergebnis, dass selbst wenn man den Editor aus dem Stegreif kennt, man deutlich mehr Zeit braucht um dasselbe wie im alten Editor zu erreichen. Wenn es denn überhaupt noch möglich ist.

Qualitätssicherung

Wenn Sie versuchen, alte, in der Vergangenheit verfasste Artikel mit dem neuen Editor zu bearbeiten, könnten Sie eine böse Überraschung erleben. Es kann nämlich durchaus sein, dass der Artikel nach dem Bearbeiten komplett zerpflückt auf der Seite dargestellt wird. Das liegt mitunter an den ganzen HTML Codes, die der gute Gutenberg Editor so alles einfügt. Überhaupt ist das Ganze nicht gut gelöst, denn wenn Sie einen kompletten Artikel mit dem Gutenberg Editor verfassen und anschließend beschließen sollten, dass sie doch lieber wieder den alten Editor verwenden möchten, dann wird wahrscheinlich wieder der komplette Artikel zerstört sein. Ich beziehe mich hier insbesondere auf die Formatierung des gesamten Artikels. Die Texte und Bilder wären natürlich noch vorhanden.

Ob das wirklich sinnvoll ist, dass seiner Community anzutun? Die meisten haben schließlich eine bereits existierende Seite und auch schon etliche Artikel auf der Seite. Eine Nachbearbeitung oder Aktualisierung der Artikel könnte sich als sehr mühsam herausstellen.

Die zahlreichen Bugs von:

  • Artikel kann nicht gespeichert/veröffentlicht/bearbeitet werden
  • Anzeigen der Vorschau dauert 40 Sekunden.
  • Seite lädt sich tot
  • Artikel zu schreiben fühlt sich wie in den 90er an. Sie schreiben schneller als der Cursor hinter herkommt. Eventuell müssen sie sogar mal kurz Pause machen;

sind dann nur der endgültige Beweis dafür, dass dieser Editor noch lange nicht alltagstauglich ist.

Release-Politik

Des Weiteren wusste man um den Umstand, dass der Gutenberg Editor mit einer Vielzahl der verfügbaren Plugins Probleme hat. Natürlich liegt es nicht in der Verantwortung des Gutenberg Teams, dass die Pluginschreiber auch Ihre Plugins an den neuen Editor anpassen, aber man wusste schließlich, dass eine Veröffentlichung im Kern von WP viele Seiten zum Erliegen bringen wird. Hier liegt Vorsatz vor! Es war Ihnen schlicht egal! Als Plugin hätte schließlich jeder selbst testen können, ob das reibungslos funktioniert oder nicht. Genau das taten die Tester ja auch, als es noch ein Plugin war.

Das Sahnehäubchen ist nur noch die Tatsache, das gerade mal 82 von knapp 300 Bugs/Fehlern bis jetzt behoben wurden, die in der BETA Plugin Phase gemeldet wurden. Wie kommt man dann auf die Idee das in einem offiziellen Release zu veröffentlichen?

Erhoffte man sich mehr Feedback?

Das hat funktioniert. Der 1 Stern Zähler geht nun deutlich schneller nach oben als vorher.

Zudem kann ich persönlich absolut nicht nachvollziehen, wie man einen Editor an die Welt verteilen kann, dessen Plattform 59% (CMS Marktanteil) aller Webseiten im Netz dominiert, dieser aber noch lange nicht in einem Zustand wäre, dass man dies überhaupt in Erwägung ziehen könnte oder sollte! Das hat schon Microsoft Niveau wie mit den bereits nun schon zum dritten mal zurückgezogenen Updates in 2 Monaten (Zwei mal das 1809 Update und jetzt der 1803 Patch). Man verteilt also feucht fröhlich eine Beta Version, im Wissen, dass noch etliche Fehler enthalten sind an die breite Masse, und die Nutzer sollen gucken, wie diese zurecht kommen.

Frei nach dem Motto: “Nach mir die Sintflut!”

Die IT Firmen wird’s freuen, oder auch nicht, da wieder tausende Kunden ein Problem haben werden.

Das ist nicht nur verantwortungslos, sondern strotzt nur so von Ignoranz und Arroganz.

Reaktionen der Entwickler zum Feedback (“Ich nix versteh” oder auch “Ich hör nix”)

Die Reaktionen der Entwickler auf die 1 Sterne Bewertungen  sind sehr unterschiedlich. Im Grunde wiederholen die Entwickler sich ständig und beten Ihren Passus runter.

“Was ist denn umständlicher als vorher?”

(Die Frage ist sehr speziell wie ich finde, denn wenn der Entwickler selbst nicht mal merkt, dass das selbe Vorhaben im Vergleich zum alten Editor nun deutlich länger im neuen Editor dauert, der ist Teil des Problems. Daher wundern mich solche Fragen auch nicht mehr…)

“Das Problem hatten wir nicht”

(Dies in vielen anderen Variationen)

(Ich habe selbst Plugins für ein anderes CMS (Content-Management-System) geschrieben, aber um Fehler zu lösen oder dessen Grund herauszufinden, bedarf es manchmal ein wenig Phantasie. Die fehlt scheinbar! Denn nicht jeder Nutzer kann das so erklären, dass auch ein Entwickler das versteht.)

“Was braucht mehr Zeit als vorher?”

(Die Frage ist identisch mit der ersten Frage. Sie ist nur anders formuliert.)

Leiterin Rian Rietveld tritt zurück (Mach et jot)

Selbst Rian Rietveld trat als Leiterin aus dem “Accessibility-Team” zurück. Die Gründe sind äußerst interessant und decken sich mit den Eindrücken, die auch die meisten anderen Beobachter hatten.

Hier ein paar Ausschnitte von der Seite:

https://rianrietveld.com/2018/10/09/i-have-resigned-the-wordpress-accessibility-team/

The last year, especially the last few weeks have been too politically complicated for me. It’s better that someone else takes the lead now

Das beruht darauf, dass die Ansichten von Matt Mullenweg (WordPress Erfinder) zur Zugänglichkeit/Feedback des Gutenberg Editors und die des Accessibility-Teams gegensätzlich sind. Matt Mullenweg lobte alles über den Klee und verschloss die Augen vor dem negativen Feedback aus der Community. Diese Gegensätzlichkeit machte dem Team generell zu schaffen, da man schließlich das Feedback der Community wahrnahm. Und das war alles andere als rosig.

I got feedback this week that we should have written the GitHub issues differently. I was told we should have explained more why they are an issue, so that the developers are more motivated to solve them. Also I got feedback that some accessibility issues are too big, that we should have made them smaller.

Ich kann ja teilweise verstehen, dass ein Entwickler nicht immer sofort erkennt, das es sich bei irgendwas um einen Fehler handelt. Entwickler sind aber auch Menschen, die in Ihrer eigenen Welt leben. Ich spreche da aus Erfahrung, denn man selbst neigt dazu zu meinen, dass doch alles ganz einfach zu bedienen ist. Klar, man hat das Teil ja auch geschrieben. Man sollte doch einfach mal darauf vertrauen, dass es Leute gibt, die sich mit dem Thema UX, Benutzerführung/Gestaltung einfach besser auskennen als man selbst. Es wäre ein Anfang. Und wenn man dann als Entwickler die Bewertungen auch liest und versteht, dass die Nutzer sich auch darüber beschweren, sollte so langsam mal umdenken. Ein anderer wichtiger Punkt wurde jedoch auch genannt: “Die Änderungen wären zu groß.” Tja, das liegt vielleicht daran, dass das Projekt viel zu lange in die falsche Richtung entwickelt wurde. Natürlich muss man jetzt jede Menge ändern, um überhaupt noch die Karre aus dem Dreck ziehen zu können.

To Matt Mullenweg I want to say: please take better care of your community, because WordPress is nothing without it. Cherish the people who dedicate their (own) time and who work very hard to make WordPress the best it can be. Don’t ignore or make fun of them, but talk to them, guide them, inform them. Don’t be disconnected from the community, be part of it.

Genau das trifft es. WordPress ist keine One-man Show.

Der freie Fall (Sind wir schon da?)

Gutenberg Bewertungen vom 08 Dezember 2018.
Gutenberg Bewertungen vom 08 Dezember 2018.

Wenn Sie sich diese Bewertungen ansehen und über 1000 Leute bereits in einem Satz oder ausführlich erklärt haben, was genau an dem Editor nicht gut ist, so ist unverständlich wie man das als Entwickler ignorieren kann. Selbst die Nutzer finden solche Fragen der Entwickler leicht verstörend, da diese den Entwicklern dasselbe sagen, was ich ihnen bereits geschrieben habe. Die sagen den Entwicklern nämlich auch mit Verwunderung: “Lesen Sie sich die über 1000 1 Sterne Bewertungen durch, denn dann wissen sie auch im Detail, was die Leute nicht mögen und was nicht funktioniert. Warum soll sich auch jeder Nutzer wiederholen müssen und dasselbe schreiben müssen, was bereits schon hunderte vor ihm taten? Eben, unnötig. Das sich so mancher leicht auf die Schüppe genommen fühlt, dürfte da auch nicht wundern.

Merkwürdige Gedankengänge (Joa, sinn die do deppert)

Stattdessen philosophieren die Entwickler, Moderatoren, sonstige Teammitglieder mitunter darüber, ob es denn gerecht und richtig sei eine 1 Sterne Bewertung abzugeben. Da fängt das Zensieren also schon an. Denn diese sind der Ansicht, das ja mindestens 3 Sterne drin sein müssten und alle, die weniger geben nicht ernst zu nehmen wären. Also sperrt man sich gegen Kritik und lässt nur positives Feedback auf sich wirken. Die gelesene Meinung entspricht nicht der eigenen, also müssen wir das zensieren.

Die Frage bei solchen Argumentationen ist jedoch:

“Wann wäre es denn gerechtfertigt eine 1 Sterne Bewertung zu geben?”

“Wenn 1 Sterne Bewertungen nicht erwünscht sind, warum bietet man dann überhaupt die Möglichkeit an, das Nutzer eine Bewertung von 1-5 abgeben können?”.

“Warum führt man dann nicht gleich eine einfache Bewertung ein, die nur noch Positiv oder Negativ als Möglichkeit bietet?”

Ohne jetzt zynisch klingen zu wollen, aber wenn das gehen würde, hätte ein Großteil der Leute sogar gar keinen Stern vergeben…

Ob der Nutzer nun 2 oder 3 Sterne vergibt ändert nicht viel. Schlecht bleibt nun mal schlecht, egal mit wie viel Sternen! Ob Sie nun als Schulnote eine 6, 5 oder 4 kassieren, ändert auch nichts wesentliches daran, dass das Ergebnis trotzdem zu wünschen übrig lässt.

Zensur im Auftrag Ihrer Majestät (Foren Richtlinien)

Ich bin beim Lesen auch über einige solcher Anschuldigungen gestoßen, dass einfach Bewertungen, lange ausführliche kritische Berichte, einfach im Nirvana verschwanden. Ja, es werden Beiträge gelöscht, denn ich selbst habe das auch schon erlebt! In meinem Profil findet man alle abgegebenen Beiträge, wenn ich diese jedoch aufrufe, existieren manche davon auf der Seite nicht mehr. Also wurden diese zensiert oder damit das besser klingt, wegen der Foren Richtlinien gelöscht. Da kam es den Entwicklern manchmal sehr recht, dass ein Hyperlink im sehr guten Review zu finden war (Nein, das waren keine Reviews von mir!), denn deswegen konnte man den Beitrag löschen. In einem wurde aber der komplette sachliche und ausführliche Kritikbeitrag ebenso gelöscht. Wie praktisch. Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt…

Schlusswort (Ich habe fertig)

WordPress hat sich wahrlich keinen gefallen damit getan, BETA Software an seine Endkunden zu verteilen. Denn nichts anderes ist es. Die WordPress-Plugin-Entwickler stehen jetzt selbst vor der Frage, ob man den Zirkus mitmacht oder doch lieber zu einem anderen CMS wechseln sollte. Viele Hersteller der großen und bekanntesten Plugins haben überwiegend abgeraten überhaupt auf die aktuelle Version zu updaten bis man das ganze Chaos überhaupt bewältigt hat.

Ich hätte persönlich auch keine Lust, zwei verschiedene Editoren unterstützen zu müssen. Denn das werden die Hersteller machen müssen, da nun mal der Großteil weiterhin den Classic Editor nutzt und der andere Teil, den neuen Gutenberg Editor. Ich kann die Hersteller der Plugins nur bedauern was das angeht.

Ich weiß das es einfach ist, die Arbeit eines Anderen zu kritisieren. Das wird auch jeder wissen. Sich Kritiken und konstruktivem Feedback allerdings komplett zu verschließen oder die Kritiken einfach nicht zu verstehen, spaltet nur die Community und WordPress selbst. Nehmt Kritiken nicht als einen persönlichen Angriff wahr, sondern als das was sie sind: “Eine Beurteilung eures Projekts/Arbeit”. Selbst der genialste Entwickler hat manchmal dumme Ideen. Ich möchte schließlich nicht in der Zukunft sehen müssen, dass es von WordPress hunderte Forks gibt wie in der Linux Welt…

Nur wer mal verloren hat, weiß den Sieg zu schätzen! In dem Sinne.

Danke fürs Lesen.

Quelle: Bewertungen des Gutenberg Plugins (Überwiegend 1 Sterne Bewertungen)

Ich habe ca 20 Seiten der 1 Sterne Bewertungen durchgelesen! Wenn Sie das machen, können sie all das selbst nachlesen.

Zum Anfang!

3 Antworten auf „WordPress 5.0 – Das tote Pferd namens Gutenberg Editor“

  1. Matt Mullenweg und sein “Team” geben mit 5.1 nun richtig Gas. Bemüht man die gängigen Suchmaschinen, kommt fast nur positive Kritik heraus.

    Ich habe seit Jahren zwei stabile WordPress Projekte laufen, die ich nicht wegen Gutenberg Experimente gefährden will. In der Tat wirken die Gutenberg Entwickler hochnäsig und sind gegenüber jeglicher Bedenken erhaben, davon konnte ich mich auf dem letzten WordPress Meetup in Köln überzeugen.

    Hoffe, dass Classicpress sich solide entwickelt, ansonsten bleibt den meisten konservativen WordPress Nutzern nur der Wechsel zu einem anderen CMS.

    Gruss Jürgen

    1. Zitat
      “Bemüht man die gängigen Suchmaschinen, kommt fast nur positive Kritik heraus.”

      Genau das fand ich auch äußerst merkwürdig. Wie kann es denn sein, dass offensichtliche Unzulänglichkeiten auf den meisten Seiten in der Suchmaschine auch noch gelobt werden und als gut hingestellt werden?

      Ich meine, die Bewertungen sprechen eine sehr deutliche Sprache. Und diese sind wie wir ja wissen, nicht positiver Natur. Zudem benutzen bereits über 3 Millionen Nutzer den Classic-Editor. WordPress hat ungefähr 5 Millionen Nutzer. Da werden auch etliche “tote” Seiten bei sein. Im Vergleich ist der Gutenberg Editor also schon tot, bevor er überhaupt lebte. Endnutzer wollen ihn nicht, dass zeigt schon die Anzahl der Installationen des Classic-Editors. Zudem kommt das auch ungefähr hin, denn WordPress selbst hat Statistiken veröffentlicht wodurch es ein leichtes ist zu sehen, wie viele davon noch gar nicht auf 5.0+ aktualisiert haben. Diese Leute “kennen” den neuen Editor eventuell noch gar nicht.

      Daher ist meine Vermutung, das diese Seiten entweder gut daran verdienen (Werbung), teil des Projektes sind, oder in sonstiger Form dem Initiator des Gutenberg Editors zugehörig sind. Manche dieser Seiten werden von Webentwicklern betrieben. Wo arbeiten diese? Ich habe selbst nicht die Zeit alles nach zu recherchieren, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ein Teil der Leute in Unternehmen arbeitet, die den neuen Editor wollten. Koste es, was es wolle. Und das gerade die Webentwickler alles beschönigen sollte einem zu denken geben, denn gerade diese Leuten müssten doch wissen, dass das Ergebnis eine Katastrophe ist. Es sei denn der Qualitätsanspruch ist in den letzten Jahren drastisch gesunken.

      Mal sehen wohin die Reise geht. Ich finde die momentane Entwicklung äußerst befremdlich.

    2. Hallo Rheinländer, ich kann deine Meinung absolut bestätigen. Die Arroganz und Ignoranz, die auch in dem Artikel schon beschrieben wurde, macht mich sogar richtig sauer…
      Ich habe mittlerweile 6 Reviews (mit unterschiedlichsten E-Mailadresse/Accounts geschrieben. Nicht einer davon ist noch aufrufbar. Ich habe außerdem Screenshots gemacht, die das belegen.
      Ich arbeite seit 2007 mit WordPress und habe solch eine Entwicklung nie für möglich gehalten, weil es sich ja ein Community Projekt nennt, was seit WP 5+ m.E. nicht mehr der Fall ist.
      Du hast aber aus meiner Sicht eine prima Alternative angesprochen “ClassicPress”.

      Aus meiner Sicht hat ClassicPress den idealen Zeitpunkt für den stable Release der 1.0.0 getroffen, da m.E. viele WP User den Weg nicht mitgehen wollen. Ich gehöre auch dazu und ich habe bereits 90% meiner ca. 35 Kundenseiten zu ClassicPress migriert ohne Probleme zu haben.

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